Gottesdienste in der Stadtpfarrei bis Sonntag, 30.08.2020

Unter diesen Links finden Sie die Zeiten der Hl. Messen bis  Sonntag, 09.08.2020   und bis zum Sonntag, 30.08.2020

 

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Gottesdienste in häuslicher Gemeinschaft

Sie finden  hier vielfältige Anregungen, die Sonntage sinnvoll und geistlich zu gestalten, in häuslichen Gemeinschaften oder auch für sich persönlich.

 

 

 

 

 

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Ökumenische Andachten in Kooperation mit den GN

Seit Beginn der Corona-Krise treffen sich Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Konfessionen zu regelmäßigen Videokonferenzen, um sich auszutauschen und verschiedene Projekte zu koordinieren. Auch die sonntäglichen ökumenischen Andachten in Kooperation mit den Grafschafter Nachrichten werden gemeinsam geplant. Diese gemeinsamen sonntäglichen Gebetszeiten erfreuen sich großer Zustimmung und werden zunächst weitergeführt. Sie finden dazu jeweils einen Kurzartikel in der Samstagsausgabe der Zeitung. Der link steht neben der Online-Ausgabe der Zeitung auch auf unserer öffentlich zugänglichen facebook-Seite zur Verfügung.

 

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Geistliche Impulse in Zeiten der Pandemie

 

17.05.2020

Geistliche Gedanken zum 6. Sonntag der Osterzeit

Von Pastor Ulrich Högemann

 

Vieles wäre nach 8 Wochen ohne öffentliche Gottesdienste an diesem Sonntag zu sagen. Wir alle haben viel erlebt, auch wenn unsere Kreise durch die Weisung, zu Hause zu bleiben, eher kleiner geworden sind. Vieles von dem, was wir erlebt haben und wie wir es erlebt haben, lässt sich noch gar nicht richtig einordnen und erst recht nicht bewerten. Uns fehlen Maßstäbe, weil uns Vergleiche fehlen. So etwas haben wir alle noch nicht erlebt. Auch in der Kirche nicht. Eins ist sicher: es war richtig und es ist richtig, entschlossen und solidarisch an der Seite der Kranken zu sein und auch an der Seite derer, die zu den Risikopersonen gehören.

Wir haben Ostern gefeiert, ganz anders als sonst, aber Ostern ist alles andere als ausgefallen. Mich hat bewegt, mit wieviel Kreativität und geistlicher Kraft verschiedene Initiativen, auch ökumenische Initiativen, die Auferstehung gefeiert haben. Und wie viele Menschen gerade zu Ostern in unsere Kirchen gekommen sind, um für sich zu beten und mit einer Kerze ein deutliches Zeichen der Hoffnung und der Freude zu setzen.

Irgendwann kommt die Zeit, das alles in Ruhe zu reflektieren und zu danken für eine so lebendige Weise des Zeugnisses. Vor dem Reden und Reflektieren und Bewerten steht das Schweigen. Das Halten und Aushalten und Innehalten. Kein Ostern ohne Karfreitag und den stillen Karsamstag. Ich persönliche, auch für meinen Dienst, empfinde diese Zeit als einen langen Karsamstag.

Und doch gehen wir jetzt auf Pfingsten zu. In einem Satz der ersten Lesung wird das angesprochen, was ich auch in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder so empfunden habe – auch in den vielen Debatten und Diskussionen über „richtig und falsch“ über „angemessen und unangemessen“ in den politischen und kirchlichen Weisungen und Entscheidungen. Es heißt in der sonntäglichen Lesung aus der Apostelgeschichte: „Sie beteten für sie, sie möchten den Heiligen Geist empfangen.“ (Apg 8, 15)

Was für ein starker Satz. – Das erste ist die Solidarität und die Stellvertretung: Die Apostel beten für die Menschen in Samarien. Wieviel stellvertretendes Gebet hat in den letzten Wochen und Monaten stattgefunden. So oft im Stillen und Verborgenen. Für die Kranken. Für die Ärztinnen und Ärzte. Für die Pflegekräfte. Für die Einsamen und Alten. – Gottesdienste wurden gefeiert stellvertretend für die ganze Gemeinde. Die Kraft des stellvertretenden und des fürbittenden Gebetes hat sich in den vergangenen Wochen deutlich gezeigt. Und diese Solidarität hat sich geweitet in ganz praktischen fürsorglichen Handlungen und Hilfsangeboten. Füreinander einkaufen. Füreinander Masken nähen. Füreinander kochen und Kuchen backen. Füreinander Briefe schreiben.

Das zweite ist die Bitte um den Heiligen Geist. Die Menschen in Samarien hatten zwar von Jesus gehört, waren sogar auf den Namen Jesu getauft, aber hatten vom Heiligen Geist noch nichts gehört. Selbst wenn wir alles wüssten, mit dem Verstand alles durchdringen könnten, wenn wir mit Hilfe von Wissenschaftlern und auch Virulogen alles verstehen, hätten aber den Heiligen Geist nicht, so fehlte es uns Christen am Wesentlichen.

Der Heilige Geist gibt die Kraft zur rechten Unterscheidung. Und das ist nötig in den vielen Debatten, die wir erleben und erst recht in den Debatten, die wir noch erleben werden. Er schafft den Grund zur Freude, wenn uns vieles eher nach unten zieht. In die Traurigkeit und in die Depression. Er gibt den Mut, Neues zu wagen, wenn uns alte Wege in der Verkündigung, auch in der Feier der Gottesdienste verbaut sind. Er lässt uns in der Liebe bleiben, wenn sich in diesen Zeiten auch ganz viel Enttäuschung über Gott und die Menschen breit machen sollte.

In Coronazeiten zeigt sich deutlicher als sonst, ob wir eine solidarische und auch eine österliche und zugleich pfingstliche Kirche sind.

Immer wieder denke ich an die bewegenden Worte von Papst Franziskus anlässlich seines Pandemiegebetes am Freitag vor dem Passionssonntag.

„Der Sturm (der Pandemie) legt unsere Verwundbarkeit bloß und deckt jene falschen und unnötigen Gewissheiten auf, auf die wir bei unseren Plänen, Projekten, Gewohnheiten und Prioritäten gebaut haben. Er macht sichtbar, wie wir die Dinge vernachlässigt und aufgegeben haben, die unser Leben und unsere Gemeinschaft nähren, erhalten und stark machen. Der Sturm entlarvt all unsere Vorhaben, was die Seele unserer Völker ernährt hat, „wegzupacken“ und zu vergessen; all die Betäubungsversuche mit scheinbar „heilbringenden“ Angewohnheiten, die jedoch nicht in der Lage sind, sich auf unsere Wurzeln zu berufen und die Erinnerung unserer älteren Generation wachzurufen, und uns so der Immunität berauben, die notwendig ist, um den Schwierigkeiten zu trotzen.

Mit dem Sturm sind auch die stereotypen Masken gefallen, mit denen wir unser „Ego“ in ständiger Sorge um unser eigenes Image verkleidet haben; und es wurde wieder einmal jene (gesegnete) gemeinsame Zugehörigkeit offenbar, der wir uns nicht entziehen können, dass wir nämlich alle Brüder und Schwestern sind.

»Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?« Herr, dein Wort trifft und betrifft uns alle. In unserer Welt, die du noch mehr liebst als wir, sind wir mit voller Geschwindigkeit weitergerast und hatten dabei das Gefühl, stark zu sein und alles zu vermögen. In unserer Gewinnsucht haben wir uns ganz von den materiellen Dingen in Anspruch nehmen lassen und von der Eile betäuben lassen. Wir haben vor deinen Mahnrufen nicht angehalten, wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden. Jetzt, auf dem stürmischen Meer, bitten wir dich: „Wach auf, Herr!“

»Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?« Herr, du appellierst an uns, du appellierst an den Glauben. Nicht nur an den Glauben, dass es dich gibt, sondern an den Glauben, der uns vertrauensvoll zu dir kommen lässt…

Herr, Du rufst uns auf, diese Zeit der Prüfung als eine Zeit der Entscheidung zu nutzen. Es ist nicht die Zeit deines Urteils, sondern unseres Urteils: die Zeit zu entscheiden, was wirklich zählt und was vergänglich ist, die Zeit, das Notwendige von dem zu unterscheiden, was nicht notwendig ist. Es ist die Zeit, den Kurs des Lebens wieder neu auf dich, Herr, und auf die Mitmenschen auszurichten.“ (Papst Franziskus, 27. März 2020)

 

 

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10.05.2020

Alles neu?! Heilmeldung statt Eilmeldung!

Gedanken zum 5. Sonntag in der Osterzeit, 10. Mai 2020
von Pastor Ulrich Högemann

Zeiten wie diese bringen es mit sich, dass stetig und ständig „news“ produziert werden – „Neuigkeiten“. Auf allen Kanälen und zu allen Tageszeiten. Rundum die Welt. Zeitungen, Fernsehen, talkshows, Nachrichtenticker, social media… In immer kürzeren Abständen werden Neuigkeiten zur Pandemie und hierzulande über weitere Lockerungsbemühungen des Bundes, der Länder und auch der Kirchen veröffentlicht. Aus fast jeder Meldung wird eine Eil-Meldung. Die Medien kommen kaum nach mit der aktuellen Berichterstattung über all das angeblich „Neue“, das nicht selten nicht mehr bedeutet als die Rückkehr zum „Alten“ – zur vermeintlichen „Normalität“. Um die Bedeutung einer neuen Nachrichtenlage noch mehr hervorzuheben, wird in den Medien nicht selten zur Steigerung der Bedeutsamkeit von „breaking news“ gesprochen. Wir erleben eine wahrhafte Inflation von bahn-brechenden Neuigkeiten, um dann doch wieder in alte Bahnen und alte Gleise zurückzukehren.

Bei all den „news“ kann sich schnell eine gewisse Atemlosigkeit bei gleichzeitiger Müdigkeit einstellen. Mich hat in den vergangen Tagen die Idee eines Gemeindemitglieds fasziniert, wenigstens einen Tag in der Woche ohne aktuelle Nachrichten zu gestalten: „Corona-news-frei“! Aufatmen!

Die „breaking news“ unseres Glaubens haben einen anderen Klang und eine andere Qualität als das, was uns medial begegnet. Um es einfach zu sagen: Nicht jede „eilige Meldung“ ist eine „heilige Meldung“. Die Heil-Meldung des Sonntags klingt so: „Ich, Johannes, sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen… Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.“ (Offb 21, 1-2a; 4-5a).

Diese Worte aus der 2. Lesung zum 5. Ostersonntag haben ihren Neuigkeitswert auch nach 2000 Jahren nicht verloren. Das Neue besteht nicht in der Rückkehr zur „alten Normalität“. Unsere Hoffnung ist größer, unsere Sehnsucht greift tiefer. Auch die Gottesdienste, die wir nach Wochen wieder miteinander feiern können, sind zuerst diesen „breaking news der Frohen Botschaft“ verpflichtet und nicht dem Ruf nach schneller Rückkehr zur vermeintlichen „Normalität“. Suchen und pflegen wir das, was unsere Sehnsucht nach dem Neuen wach und lebendig hält und freuen wir uns heute an der Heil-Meldung unseres Gottes, der uns durch den auferstandenen Jesus Christus sagt: „Seht, ich mache alles neu!“

 


 

03.05.2020

Geistliche Gedanken zum 4. Sonntag in der Osterzeit

Von Pastor Alexander Fix

Liebe Schwestern und Brüder,

es ist der 4. Sonntag in der Osterzeit. Dieser Sonntag ist einem ganz wichtigen Thema gewidmet: „Jesus – der gute Hirt.“ Ich versuche die Botschaft des Evangeliums in unsere heutige Zeit, in unser modernes kirchliches Alltagsleben, zu übersetzen.

Ich möchte mit einer Feststellung beginnen: Alles oder fast alles in unserem Leben braucht seine Ordnung, Struktur und Organisation. Ich denke spontan an unsere Fußball- oder Handballmannschaften. Ich denke auch an unsere Vereine und Verbände. Was wären sie ohne ihre Ordnung und ohne ihre Organisationsstruktur? Ich denke auch an unsere Gesellschaft insgesamt. Ohne Ordnung, ohne Struktur, ohne gute Organisation kann man nirgendwo ein vernünftiges und gelungenes menschliches Miteinander aufbauen.
Und in der Kirche? – Auch in der Kirche, auch sie braucht eine gewisse Struktur und eine gute Organisation. Man kann hinterfragen, man kann und man muss darüber diskutieren können, wie sinnvoll diese oder jene Strukturen in der Kirche sind. Aber generell gesehen muss man doch sagen, die Kirche braucht unbedingt eine Ordnung und Organisationsstruktur.
Ich finde, dass für unser heutiges modernes Verständnis von Kirche das Wort „Team-Sein“ immer bedeutender wird. Denn der Team-Gedanke lässt sich tatsächlich gut auf die Kirche übertragen. Wir sprechen heute von unserem Pastoralteam, und wir bilden viele Teams in unseren Gremien, in unterschiedlichen Ausschüssen, in Gemeinschaften, in Vereinen und in Verbänden. Man kann die Kirche insgesamt als ein ganz großes Team betrachten. Aber auch bei diesem „Team – Bild“ der Kirche bleibt die Frage nach dem Ordnungsprinzip und nach der Organisationsstruktur nicht irrelevant. Im Gegenteil: auch als Team betrachtet und verstanden braucht die Kirche eine gewisse Hierarchie. Sie braucht ein Leitungsamt in ihrer Struktur und Organisation.

Liebe Schwestern und Brüder, wie dieses Leitungsamt in der Zukunft in unserer Kirche vor Ort aussehen wird, ist momentan schwer zu sagen, wir erleben aktuell einen Wandel in den Strukturen. Was mir aber ganz wichtig
erscheint: Egal wie die Strukturen sich verändern werden, egal wie das Leitungsamt in der Gemeinde vor Ort aussehen wird, man darf das Wichtigste nicht vergessen, und das ist der Bezug und der Blick auf Jesus Christus hin.
Er ist der gute Hirte. Und da sind wir wieder beim Thema des heutigen Sonntags angekommen: Jesus Christus – der gute Hirte. So muss auch die Leitung in der Kirche sein, nicht als Macht und Herrschaft, sondern im Blick auf Jesus Christus, als Dienstleistung. Als Unterstützung und geistige Begleitung. Im Sinne von Organisation und Moderation.
Jesus Christus ist der gute Hirte. Er führt seine Jüngerinnen und Jünger zu einem Leben in Fülle. Er will nicht über sie herrschen, er will sie zum Leben in Fülle führen. Amen.

 

 


 

26.04.2020

Geistliche Gedanken zum dritten Sonntag der Osterzeit, 26. April 2020

von Pastor Ulrich Högemann – 1. Lesung: Apg 2, 14a.36-41

„Es war unmöglich… “ (vgl. Apg 2, 24)

Meine ersten Gedanken gehen heute nach Sankt Josef und Sankt Elisabeth. In diesen Kirchen hätten wir an diesem Sonntag das Fest der ersten heiligen Kommunion mit den Kindern, ihren Eltern und Familien sowie ihren Patinnen und Paten gefeiert. Dieses Fest der ganzen Gemeinde kann heute und an den nächsten Sonntagen so nicht stattfinden. Umso mehr sind wir als Gemeinde im Gebet mit den Kommunionkindern verbunden. Sie erhalten eine besondere Video-Botschaft von der Kirchengemeinde, um sie in der Vorfreude und in der Freundschaft mit Jesus zu erhalten!

Neben dem Sakrament verbindet uns als Christinnen und Christen besonders das Wort Gottes. Das Wort auszulegen und mit-zu-teilen ist die Aufgabe einer Predigt. Über die Nachhaltigkeit und die Bedeutung von Predigten wird in der Kirche nicht selten und oft kontrovers gestritten. In der Wahrnehmung vieler gleichen sie eher einem kurzen Strohfeuer (und das ist schon als Kompliment zu verstehen), als dass sie nachhaltig begeistern. Prediger selbst leben von der Hoffnung, dass dennoch manch ein Wort unbemerkt in die Tiefe einsickert wie Regenwasser und so doch unbemerkt zum Grundwasserspiegel des Glaubens beiträgt.

Eine Predigt mit nachhaltiger Wirkung begegnet uns in der ersten Lesung des heutigen Sonntags. Die Pfingstpredigt des Petrus in der Apostelgeschichte enthält viele Elemente, die wir uns von einer Predigt wünschen. Sie ist missionarisch und persönlich, sie deutet die Schriften und ist tagesaktuell, sie ist einladend formuliert und nicht belehrend, sie stellt Jesus in den Mittelpunkt und stiftet österliche Hoffnung. Sie überfordert nicht durch übermäßige Länge, unterfordert aber auch nicht durch liebgemeinte geistliche Niederschwelligkeit. Mehr braucht es also nicht. Weniger sollte es aber auch nicht sein, wenn wir predigen und Gottes Wort verkünden.

Hintergrund für seine Predigt ist neben dem Prophetenbuch Joel der Psalm 16 aus dem Alten Testament. In diesen Wochen der Pandemie entdecke ich mit vielen die Psalmen neu als großen Gebetsschatz in unserem Glauben – großartige, erfahrungsgetränkte geistliche „Predigten“. Sie sprechen uns in vielen Lebenslagen aus dem Herzen. Wir entdecken uns in den Psalmen wieder, wenn wir einsam sind, wenn wir uns verlassen fühlen, wenn in uns die Hoffnung schwindet, wenn der Glaube wankt und der Zweifel überhand nimmt. Ebenso finden wir in den Psalmen wunderbare Bilder und Gedanken, die in uns das Vertrauen erneuern und die Hoffnung stärken. Der Psalm 16 ist ein solcher Vertrauenspsalm.
„Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir. Ich sage zum Herrn: du bist mein Herr, mein ganzes Glück bist du allein.… Du, Herr, hältst mein Los in deinen Händen. Ich habe den Herrn beständig vor Augen. Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht… Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele, auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit. Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis; du lässt deinen Frommen das Grab nicht schauen. Du zeigst mir den Pfad zum Leben!“

Diese Worte des Psalmisten werden König David in den Mund gelegt. Petrus verweist auf den Glauben des David. Er ist trotz seines unsteten und in weiten Teilen wenig vorbildlichen Lebenswandels ein glaubwürdiger Zeuge der ungebrochenen Liebe und Treue Gottes. Diese Treue ist der Grund für unsere österliche Hoffnung. Denn es war unmöglich, dass Christus vom Tod festgehalten wurde (vgl. Apg 2, 24).

Es war unmöglich…

Es IST unmöglich, dass wir festgehalten werden in Angst und Isolation. Es ist unmöglich, dass wir nicht Kommunion (Gemeinschaft mit Christus und untereinander) haben. Es ist unmöglich, dass wir die tiefe Freude am Leben, das den Tod besiegt hat, in diesen Tagen nicht verkünden. Anders als sonst, aber nicht weniger kraftvoll. Wenn in den Kirchen nicht gepredigt wird, dann auf anderen Kanälen und an anderen Orten! Wenn nicht mit Worten dann umso kraftvoller und überzeugender durch Taten!

Wir beten in dieser Zeit mit David und dem Psalmisten umso kräftiger: „Du gibst uns nicht der Unterwelt preis, du lässt uns das Grab nicht schauen. Du zeigst uns den Pfad zum Leben. Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, zu deiner rechten Wonne für alle Zeit!“

Bleiben wir in dieser österlichen Freude!

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19.04.2020

Geistliche Gedanken zum Zweiten Sonntag der Osterzeit

(Weißer Sonntag, Sonntag der Barmherzigkeit) Evangelium: Johannes 20, 19-31

von Pastor Ulrich Högemann

„Dabei sein ist alles“ so lautet das olympische Motto. Und es ugilt längst nicht nur für Sportlerinnen und Sportler bei den Olympischen Spielen. „Dabei sein ist alles“ – das gilt für viele Menschen in vielen Lebenssituationen. Wir möchten dabei sein, wenn sich Großes und Bedeutendes ereignet. Und wir möchten auch dabei sein, wenn sich Schicksalhaftes und für unser Leben Unumkehrbares ereignet. Wenn das Leben seine Weichen stellt, dann möchten wir nicht nur informiert werden, sondern beteiligt sein, eben dabei sein mit unserer ganzen Existenz und Persönlichkeit.

Wie oft erlebe ich in diesen Tagen und Wochen Menschen, die schmerzhaft darunter leiden, nicht dabei gewesen zu sein, z.B. als ein wichtiger Geburtstag zu feiern war, als Trost am Kranken- oder gar Sterbebett zu spenden war, als ein trauriger Abschied vollzogen werden musste oder auch als die Kirche nach der „Quarantänezeit“ von 40 Tagen zu Ostern zum ersten Mal wieder ihr Halleluja gesungen hat.

Ich denke an Thomas und daran, was er im Evangelium (Joh 20, 19-31) erlebt hat. Er war nicht dabei, und er wollte sich nicht vom „Hörensagen“ im Glauben leiten lassen. Nein, es ist eben nicht das gleiche, von Erzählungen zu leben, über Bildschirm und moderne Medien vermittelte Nachrichten zu „hören“ (und Gottesdienste anzusehen) oder selbst und persönlich dabei zu sein… Thomas, der Apostel der vielen Fragen und der ganz individuellen und persönlichen Beziehung zu Jesus Christus, war nicht dabei – beim ersten Osterfest, bei der ersten Begegnung des Auferstandenen mit seinen Freunden.

Nicht dabei zu sein, das ist also auch eine urchristliche Erfahrung. Thomas steht an unserer Seite und wir an seiner. Es bleibt aber nicht bei dieser Erfahrung des „Nicht-dabei-seins“. Jesus weiß um die Zweifel und die persönliche Not des Thomas. Er weiß auch um unsere Sehnsucht, dabei sein zu wollen, wenn der Herr kommt.
Wir wollen selbst die österliche Botschaft erfahren, mit Haut und Haar, mit Herz und Verstand.

Keine Tür dieser Welt kann so verschlossen sein, dass Jesus nicht einen Weg zu uns findet. Nicht einmal in dieser Zeit! Er wird kommen, zu einem jeden von uns – zu seiner Zeit. Das wird ein Fest sein! Wir werden seine Wunden schauen können wie Thomas, aber dann haben wir nur noch Augen für seinen liebenden Blick. Das Oster-Halleluja das uns jetzt noch im Halse stecken bleiben möchte, wird dann zum großen Bekenntnis werden: „Mein Herr und mein Gott!“

Herr Jesus Christus,
wenn auch zur Zeit so viele Türen verschlossen bleiben und wir so oft nicht dabei sein können, so glauben wir, dass du schon längst auf dem Weg bist zu uns.
Du stößt die Türen unserer Herzen auf um uns zu begegnen.
In unsere Zweifel, in unsere Isolation, in unsere Krankheit, in unsere Einsamkeit und manch eine Depression, in unsere Verunsicherung, in unsere Traurigkeit und Trauer legst du deine Zusage: Ich bin da!

Jesus, wir glauben, hilf unserem Unglauben!

Heiliger Thomas, bitte für uns, die wir doch auch dabei sein wollen, wie du!

Amen.

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13.04.2020

Geistliche Überlegungen zum Ostermontag

von Pastor Rainer von Carnap

Das war jetzt also das Triduum 2020, die heilige Drei-Tage-Einheit aus Gründonnerstag, Karfreitag und Osternacht. Die hohe Liturgie war erstmals unter Ausschluss der Öffentlichkeit – aber sie war: auch unter den bekannten Einschränkungen haben wir Priester sie, wie sonst auch, im Dienst der Kirche für alle ihre Glieder gefeiert. Auch wenn die Gemeinde nicht physisch präsent war und das Vertraute sinnlich erfahren konnte, sondern jedes einzelne Gemeindeglied für sich allein auf Impulse und Live-Übertragungen angewiesen war.
Und dafür gab und gibt es ja viele Angebote, über die sich die aktuelle Situation der Kirche gut abbildet.

Dabei sorgt die lähmende Krise nicht nur für ständige Wechsel zwischen Sorge oder existenzieller Bedrohung und österlicher Hoffnung, sondern sie schafft auch Rahmenbedingungen, die unausweichlich auf das Wesentliche konzentrieren und jedem Menschen sein Lebens- und Glaubensfundament vor Augen führen. Weil die bekannte Versorgung und das bekannte Angebot derzeit nicht mehr besteht, sind alle gefordert, sich selbst darüber klar zu werden, was es im Letzten bedeutet, dass in den Kirchen keine Gottesdienste sind und dass dennoch Ostern ist. Jeder und jede ist dabei in diesen Tagen auf sich selbst geworfen mit der Frage, was ist für mich der Kern der Botschaft von Gründonnerstag, Karfreitag und Auferstehungssonntag.
Trotz Quarantäne bin ich über verschiedene Wege in Kontakt; manche finden, dass diese unerwartete Veranstaltungsleere zum Nachsinnen und zur Ruhe kommen einlädt. Nicht im Sinne von Wellness, sondern ganz im tiefsten Inneren waren ihnen diese drei Tage doch so ganz nahe wie kaum zuvor. Erstaunlich, wie offenbar auch in geistlichen Dimensionen ein Mangel so richtig bewusst macht, wie wertvoll etwas Vertrautes ist, das jetzt fehlt. Geistliche Impulse und Gottesdienste haben über Fernsehen und andere Medien versucht, das aufzufangen, und sie werden es auch weiter tun.
Wie geht es jetzt weiter? Ostern feiern wir – auch unter den aktuellen Einschränkungen – fünfzig Tage lang, bis uns zu Pfingsten der Heilige Geist hoffentlich neue Wege zeigt.
Mich stärken in diesen Tagen die Psalmen sehr. Schon Jesus hat sie gebetet, offenbar sind sie zeitlos – „im sicheren Glück dachte ich einst: Ich werde niemals wanken. Herr, in deiner Güte stelltest du mich auf den schützenden Berg. Doch dann hast du dein Gesicht verborgen. Da bin ich erschrocken (Ps27);“ und „du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu fürchten, noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt, nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die wütet am Mittag (Ps 91).“
Oder auch die Tageslesungen der Liturgie. Wie das heutige Evangelium, wo Lukas von den beiden Jüngern erzählt, die nach ihrer Erfahrung des ersten Triduum dem Auferstandenen begegnet sind (Lk 24,13-35). Auch wenn diese beiden ersten nachösterlichen Menschen ihn nicht erkannt hatten, war er doch ganz intensiv mit ihnen auf dem Weg. Und wir sind ja auch nachösterliche Menschen – heute genauso begleitet von ihm, dem Auferstandenen.

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12.04.2020

Geistliche Gedanken zum Ostersonntag

von Pastor Ulrich Högemann

In diesem Jahr ist es uns nicht möglich, gemeinsam am Osterfeuer zu stehen. Diese beeindruckende liturgische Feier, die mitten in der Nacht durch ihr Knistern und ihr Leuchten neue Hoffnung und neue Zuversicht weckt, fehlt uns schmerzlich.

Dafür brennt es an anderen Stellen – und zwar lichterloh. Die Pandemie ist wie ein Weltenbrand. Viele Menschen werden durch Krankheit und persönliche, auch wirtschaftliche Not ein „Opfer des Flammenmeeres“. Uns wird bewusst: das Feuer bringt nicht nur Licht und Wärme – es steht auch für Vergänglichkeit und Gefahr. Das Feuer verzehrt sich und andere und anderes.

Die Osterkerzen, die dennoch das Licht der frohen Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi in unseren Kirchen verkünden, erzählen davon: Unser Licht ist Christus. Er hat sich im Leiden und Sterben verzehrt. Von ihm her und durch seine Auferstehung sind alle dunklen Nächte unseres Lebens erleuchtet und alle dunklen Mächte unseres Lebens entmachtet.

So wie die Osterkerze im Laufe dieses Jahres in die Tiefe brennen wird, so weist uns dieses besondere Osterfest den „Weg in die Tiefe“. Verluste und Abschiede in Zeiten der physischen und geistlichen Isolation wiegen schwer. Neue, tiefere Einsichten wollen für das persönliche Leben und das gemeinschaftliche Leben gewonnen werden. Unsere leeren Kirchen lassen mich an das leere Grab denken. Wir hören die Stimme des Engels: „Er ist nicht hier!“ Wir finden ihn in persönlicher Verantwortung füreinander als Bruder und Schwester, in geistlichen Gemeinschaften von Familien und Freundeskreisen, von Internetgemeinden und Gebetsgemeinschaften und in der diakonischen Sorge füreinander. So wird das Evangelium vom leeren Grab und von der Auferstehung Jesu Christi lebendig, wenn sie nicht im Gebäude der Kirche laut verkündet und besungen werden kann.

Unser Sehnen und Suchen in diesen Tagen wird zum Bild für eine erneuerte Kirche, die sich im Loslassen und in größerer Verantwortung für die Schwachen, die Kranken, die Sterbenden und die Trauernden neu findet.

Viele Suchgeschichten prägen unsere Zeit. Kinder suchen mit ihren Familien bunt bemalte Steine am Wegesrand, Ostereier werden auf kreative Weise in der eigenen Wohnung versteckt, Menschen suchen einander, indem sie sich wertschätzender anblicken als früher, sich mehr Zeit nehmen für ein Telefonat oder einen Brief. Suchen wir den Auferstandenen in dieser Zeit an neuen und anderen Orten. Er wird sich finden lassen. Vielleicht mehr als Fremder in der Fremdartigkeit dieser Zeit!

Es ist Ostern und es wird Ostern. Immer wieder. Jeden Tag! Allen ein ermutigendes Fest!

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10.04.2020

Geistliches Wort zum Karfreitag 

von Pastor Pater Jose

Der Karfreitag ist ein besonderer Tag. Es geht um das Leiden, die Kreuzigung und den Tod Jesu. In dem unschuldig getöteten Jesus leidet auch Gott zusammen mit seiner Schöpfung.

Dietrich Bonhoeffer hat ein Passionslied verfasst. Ich glaube, dass es zu unseren heutigen Situation passt.

(1) Menschen gehen zu Gott in ihrer Not, flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot, um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod. So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.
(2) Menschen gehen zu Gott in seiner Not, finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot, sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod. Christen stehen bei Gott in seinem Leiden.
(3) Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not, sättigt den Leib und die Seele mit seinem Brot, stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod und vergibt ihnen beiden.

Ja, Liebe Geschwister im Glauben, Jesus ruft vom Kreuz aus das Volk zu einem einzigen Volk zusammen. Was könnte es demnach für uns alle Schöneres, Besseres, Heilsameres geben, als von Herzen zu glauben, dass unser Leben von der leidenschaftlichen Liebe dieses Gottes längst schon gefunden ist?

Heilige Maria, du bist unerschrocken unter dem Kreuz stehen geblieben und hast in deinem Schoß den leblosen Leib Jesu geborgen. Hilf uns zu begreifen, dass unser Leiden wertvoll ist, weil es am Leiden deines göttlichen Sohnes teilhat, der aus Liebe zu uns „gehorsam war bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“. Lenke unsere Schritte dahin, dass wir in seine Fußstapfen treten, die uns zur Freude seiner Auferstehung führen werden. Amen

 

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09.04.2020

Geistliches Wort zum Gründonnerstag

Liebe Schwestern und Brüder,

Der Gründonnerstag ist ein ganz besonderer Tag für uns. Das ist der Beginn der Drei Österlichen Tage, des sogenannten österlichen TRIDUUMs.

Am Abend des Gründonnerstags hat Jesus das Sakrament der Eucharistie eingesetzt. Zwei Bibelstellen scheinen mir da ganz wichtig zu sein:

Im Johannes-Evangelium 6, 48 ff lesen wir die Worte Christi: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot ist, wird in Ewigkeit leben“.

Und am Gründonnerstag, gemäß dem Matthäusevangelium 26, 26ff, passierte folgendes: „Jesus nahm das Brot und sagte Dank, er brach es, reichte es seinen Jüngern und sprach: Nehmet und esset alle davon: das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch, dankte wiederum, reichte ihn seinen Jüngern und sprach: Nehmet und trinket alle daraus: das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis.“

Am Gründonnerstag feiern wir die Einsetzung des Sakramentes der Eucharistie. Das Sakrament der Eucharistie ist an sich genial. Hätten wir es nicht, müssten wir es erfinden. Christus hat es für uns erfunden. Es ist das Sakrament der Einheit – die Einheit mit Christus und die Einheit unter uns, untereinander.

Die Eucharistie verbindet uns immer mehr mit Christus. Seit der Taufe sind wir mit Jesus in einer einzigartigen Weise verbunden, die Eucharistie vertieft diese Beziehung. Es ist so, dass Jesus durch die Eucharistie in uns langsam aber sicher wachsen möchte. Ein berühmter Theologe ROMANO GUARDINI drückte es folgendermaßen aus:

„In jedem Christen lebt Christus gleichsam sein Leben neu: Er ist zuerst Kind und reift dann heran, bis er das volle Alter des mündigen Christen erreicht. Darin aber wächst er, dass der Glaube wächst, die Liebe erstarkt, der Christ sich immer klarer seines Christseins bewusst wird und mit immer größerer Tiefe und Verantwortung sein christliches Dasein lebt.“ (ROMANO GUARDINI)

Die Eucharistie bedeutet auch DANKSAGUNG. – Bis jetzt, wenn wir Griechisch essen gehen, ich hoffe und bete, dass wir es bald (!) wieder können werden, können wir uns beim Personal bedanken mit dem Wort „Evcharisto´“. Davon, aus dem Griechischen, kommt unser Wort Eucharistie, es bedeutet – DANKE.

EVCHARISTO´, DANKE sagen für all das GUTE, das wir Tag für Tag von Gott erhalten.

Das Gute sehen, das Gute wertschätzen, für das Gute DANKE sagen.

Das ist schon eine echte christliche Lebenshaltung, eine echte spirituelle Lebensweise eines Christen.

Eigentlich sollten wir Christen die dankbarsten Menschen sein, weil wir eben ständig Eucharistie, DANKSAGUNG, feiern.

In diesem Sinne, liebe, sehr geehrte Schwestern und Brüder, einen guten Start in die DREI ÖSTERLICHEN TAGE.

Gesundheit Euch und Gottes Segen!

Euer Pastor Alexander Fix

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05.04.2020

Geistliches Wort zum Palmsonntag

Endlich auf einen grünen Zweig kommen

In diesen Tagen erwarten wir frühlingshafte Temperaturen. Mehr als sonst erleben wir in diesem Jahr mit großer Aufmerksamkeit und innerer Freude das Erwachen der Natur. Das frische Grün ist ein Vorzeichen für das neue Leben, das wir endgültig an Ostern feiern werden.

In einem Hymnus zur Fastenzeit singen wir:

„Zeichen schauen wir nun,
Irdisches wird zum Bilde hier;
denn das kreisende Jahr
lässt nach des Winters Frost und Nacht
den Frühling die Erde für Ostern bereiten.“

Mit dem Palmsonntag beginnt die heilige Woche und damit die unmittelbare Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest. An diesem Tag geschieht unter den Vorzeichen von Corona etwas Eigentümliches und ganz Besonderes: Nehmen wir, wenn wir nicht selbst kreativ geworden sind, in der Regel die Zweige aus den bereitgestellten Körben der Kirchengemeinden, sind wir in diesem Jahr alle eingeladen und aufgefordert, selbst einen Zweig zu suchen und ihn durch das persönliche Gebet oder das übertragene Gebet der Priester segnen zu lassen. Wir schneiden also selbst das Grün der Zweige ab. Das neue Leben wird gebrochen, bevor es sich entfaltet. Ähnliches wiederholt sich beim Teilen und Brechen des Brotes am Gründonnerstag.
Diese Gebrochenheit und Zerbrechlichkeit des Lebens erfahren wir existenziell in diesen Zeiten. Auch unser gemeindliches Leben hat mit diesem Bruch zu kämpfen.

Und doch! Der grüne Zweig, gebrochen für eine neue Wirklichkeit, trägt gerade auch in diesem Jahr die Botschaft in sich:

„Jesus, unser König,, du bist unser Leben. du kommst nicht nur in deine Stadt Jerusalem, du kommst in unser Leben. So wie die Stadt Jerusalem zu deiner Zeit bedrängt und bedrückt war, so lebt die Welt von heute unter einem Mantel der Sorgen und Ängste. Du kommst auf einem Esel, um uns zu zeigen: du erniedrigst dich für uns um bei uns zu sein. Gerade jetzt!
Mit dem grünen Zweig bringen wir dir alles, was in uns gerade zerbricht und all das, was in uns gerade aufleben will und auflebt. Nimm alles an und verwandle es. Jesus, lass uns mit dir gehen und mit dir wieder auf einen grünen Zweig kommen.“

Wenn wir auch nicht gemeinsam singen können, kann uns doch der Text dieses Liedes heute verbinden. Hosianna!

„Singt dem König Freudenpsalmen,
Völker ebnet seine Bahn!
Zion, streu ihm deine Palmen,
sieh dein König naht heran!
Der aus Davids Stamm geboren,
Gottes Sohn von Ewigkeit,
uns zum Heiland auserkoren:
Er sei hoch gebenedeit!“
(T: Salzburg 1783, Gotteslob 280)

Einen gesegneten Palmsonntag!

Bild: Finn, 8 Jahre

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29.03.2020

Geistliche Gedanken zum 5. Fastensonntag

Liebe Schwestern und Brüder,

Zwei Gedenktage haben mir in den vergangenen Tagen tatsächlich „zu denken gegeben“. Wir haben am Mittwoch, 25. März, das Fest „Verkündigung des Herrn“ gefeiert. Gott schickt einen Engel zu Maria mit einer Botschaft: „Du wirst ein Kind empfangen!“ – neues Leben! Die erste Sandstein-Stele am Brandlechter Glaubensweg stellt diese außergewöhnliche Begegnung dar. Segnend hält der Engel die Hand über die staunende und fragende Maria. Diese Geste verbindet uns mit den vielen, die im Moment füreinander zum Segen werden. Viele, die einander den Wunsch zusprechen: „Sei behütet! Gott ist mit dir!“ Wir leben in der Erwartung auf neues Leben! Diese unwirkliche vor-österliche Zeit ist auch zutiefst eine adventliche Zeit. Eine Sehnsuchts-Zeit. Maria hat dazu JA gesagt. Sie ist uns Vorbild!

Am Donnerstag hat die Kirche den Gedenktag des Heiligen Bischof Liudger (um 742-809) begangen. Auf sein Wirken geht der Name der Stadt Münster zurück. Liudger hat dort als Missionar ein Monasterium (Münster), also ein Kloster errichtet. Der wandernde Missionar Liudger hat sich mit dem Kloster „festgemacht“ im Glauben und sich und seiner noch jungen christlichen Gemeinschaft damit einen Ort gegeben. Und doch blieb Liudger immer ein Wandermissionar, selbst dann noch, als er zum Bischof geweiht worden ist. Ein Mensch mit Standbein und Spielbein. So erlebe ich unseren christlichen Glauben in diesen Krisenzeiten. Wir sind ohne öffentliche Gottesdienste auf unsere eigene fast klösterliche Herzenskammer festgelegt… Und doch erleben wir eine lebendige, geistliche Gemeinschaft, die kreativ ist, um Menschen auf neue und andere Weise zu erreichen. Das macht mich dankbar! Natürlich erinnert der Gedenktag des Hl. Liudger auch daran, dass er der ersten Kirche von Nordhorn, der Alten Kirche am Markt, seinen Namen gegeben hat. Sie steht für die gemeinsame Verpflichtung, über alle Konfessionsgrenzen hinweg lebendig in dieser Stadt den Glauben zu bezeugen. Dass auch Niederlagen, Rückschläge und Abbrüche den Weg der Kirche und des persönlichen Glaubens begleiten, steht uns in der nur relativ kurzen Geschichte der St. Ludgerus-Kirche von Klausheide auch vor Augen und macht uns selbstkritisch und demütig.

Heute, am fünften Fastensonntag, beginnt die eigentliche Passionszeit, die Zeit die dem Leiden Jesu Christi gewidmet ist. Der Misereorsonntag erinnert uns daran, dass Jesus in der „Misere“ unseres Lebens da ist. Sein Erbarmen hilft und trägt und ermutigt Menschen, anderen beizustehen, denen es miserabel geht. Allen Kranken und Schwerkranken wünschen wir diesen menschlich-göttlichen Beistand und schnelle Genesung! Danke für so viel Barmherzigkeit, die wir in diesen Zeiten erleben!

Die Misereor-Kollekte kann in diesem Jahr nicht so durchgeführt werden wie in den anderen Jahren. Dennoch steht uns die Not auch der Menschen in Syrien oder im Libanon vor Augen. Mit ihnen wollen wir teilen. Hinweise für eine online Spende finden Sie in unseren Medien oder auch in den neuen kirchlichen Mitteilungen, die in der neuen Woche erscheinen.

Mit Maria JA sagen zum neuen Leben!
Mit Liudger die Herzenskammer unseres Glaubens pflegen und unterwegs bleiben!
Mit Christus passioniert Barmherzigkeit üben!

Ihnen allen/euch allen einen gesegneten Sonntag und bleibt behütet!

Ulrich Högemann, Pastor

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22.03.2020

Geistliche Gedanken zum 4. Fastensonntag

Das Fasten erlebt eine ungeahnte Hochkonjunktur, gerade auch in Zeiten wie diesen. Wir verzichten auf vieles in diesen unwirklichen Tagen und Wochen der eingeschränkten Möglichkeiten. Verzicht nicht um des Verzichtes willen, sondern um höhere Güter wie Gesundheit und menschliche wie geistliche Werte in ihrer Kostbarkeit zu bewahren oder als Schatz neu zu heben.

Der Sonntag ist, wie der Sabbat im Judentum, ein besonderer Tag, um durch Reduktion, durch Verzicht, und Ruhe deutlicher sehen zu können, was besonders wertvoll ist. Um diese beiden Themen, um den Sabbat und um das Sehen, geht es im Evangelium des heutigen 4. Fastensonntags (Joh 9, 1-41). Eine Konfliktgeschichte die zeigt, wie sehr der Sonntag dazu einlädt, neue Perspektiven einzunehmen. So wie Gott durch und in Jesus Christus den Menschen sieht, so sind wir eingeladen, gerade in unseren Grenzen Gott in Jesus Christus zu schauen.

Uns sind jetzt mit der Krise und in der Krise eine ganze Reihe von besonderen Tagen geschenkt. In diesen Tagen können wir neu lernen, besser zu sehen, klarer zu denken – auch umzudenken -, verständiger zuzuhören, intensiver mitzufühlen, dankbarer zu empfinden und solidarischer zu glauben und zu beten.

Jesus begegnet uns erneut als Heiler und Heiland, als Arzt. Er heilt auch den modernen Menschen, der trotz globaler Perspektive an manch einer ausgeprägten Sehschwäche leidet. In Zeiten wie diesen bringen wir Jesus unsere Kurzsichtigkeit und bitten ihn um einen österlichen Weit-Blick. Und wir bringen ihm unsere Weitsichtigkeit und bitten ihn um den klaren Blick für die Menschen, die ganz in unserer Nähe sind und uns brauchen – vielleicht nur einen Anruf oder unsere praktische Alltagshilfe.

Der verstorbene Bischof Klaus Hemmerle aus Aachen hinterlässt uns ein wunderbares Gebet.

„Ich wünsche uns Osteraugen,
die im Tod bis zum Leben sehen,
in der Schuld bis zur Vergebung,
in der Trennung bis zur Einheit,
in den Wunden bis zur Heilung.
Ich wünsche uns Osteraugen,
die im Menschen bis zu Gott,
in Gott bis zum Menschen,
im ICH bis zum DU
zu sehen vermögen.
Und dazu wünsche ich uns
alle österliche Kraft und Frieden,
Licht, Hoffnung und Glauben,
dass das Leben stärker ist als der Tod.“

Ein sehr großer Dank gilt in diesen Tagen allen, die in unseren Einrichtungen, in der ambulanten Pflege oder privat zu Hause im Einsatz sind für die Gesundheit anderer Menschen. Wir sind in Gedanken und im Gebet verbunden!

Einen guten Sonntag und viel Gesundheit an Leib und Seele! Liebe Grüße vom ganzen Pastoralteam!

Ulrich Högemann, Pastor

Bild: Irmintraud Teuwisse

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21.03.2020

Morgen begehen wir den 4. Fastensonntag

Auf vielfältige Weise können wir über die sozialen Medien oder auch den Fernsehgeräten an einem Gottesdienst teilnehmen. Auch die Grafschafter Nachrichten bieten wieder den Service einer ökumenischen Andacht. Diesmal aus der Kreuzkirche in Nordhorn. Schaut einfach auf die Homepage der GN.

Für die Familien und Hausgemeinschaften haben wir uns überlegt, dass es vielleicht schön wäre, einen eigenen kleinen Hausgottesdienst zu feiern. Hier findet ihr die Gebetsfeier fuer Familien 22.03.20.pdf. Eine solche Feier ist vielleicht ungewohnt, verbindet uns aber zutiefst mit den ersten Christen. Back to the roots!

Außerdem wird noch ein geistlicher Impuls zum 4. Fastensonntag folgen. Unsere Glocken läuten nach ökumenischer Absprache in der Stadt Nordhorn am Sonntag morgen um 10:00 Uhr. So geben wir auch das Signal in die Stadt: Gott ist für uns da. Er sammelt uns zu einer großen geistlichen Gemeinschaft.

Gottes Segen euch allen!

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15.03.2020

Quarantäne-Zeiten! – Geistliches Wort zum 3. Fastensonntag

Ein lieber Mensch hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass das Wort “Quarantäne“ die Zahl 4️⃣0️⃣ enthält. Urspünglich bezeichnete die „Quarantäne“ u.a. den Zeitraum von 40 Tagen, in dem weit gereiste Menschen im Mittelalter isoliert vor den Toren einer Stadt leben mussten, bevor sie sie betreten durften. Also eine geschützte Zeit der Vorbereitung für die Begegnung mit Menschen in einer neuen Welt!

40 Tage sind auch uns geschenkt. Vor Ostern. Ein Schutzraum für Leib und Seele. Ein Raum des Weniger, statt des Mehr. Jetzt auch eine Quarantäne-Zeit für öffentliches und gemeindliches Leben. Eine herausfordernde isolierte Wüstenzeit, die uns mit Blick auf die österliche Oase stärkt und ermutigt.
Heute gehen wir im Sonntagsevangelium (Joh 4, 5-42) mit der samaritischen Frau an den Brunnen. Aus diesem einsamen Weg innerhalb ihrer isolierten Lebenssituation erwächst die Begegnung mit Christus, der das lebendige Wasser hat. Es wächst im Weniger des fehlenden Wassers mehr Nähe und Vertrautheit. Er verspricht: nie mehr dürsten! Nie mehr einsam und vergeblich Wasser schöpfen! Er verspricht das Ende der Quarantäne-Zeiten für alle, die sich von ihm ansprechen und verwandeln lassen.

So kehrt die Frau verändert zurück in ihr Dorf. Als Botin. Mit ihrem Wasserkrug lässt sie auch ihr altes Leben zurück.
40 Tage „Quarantäne-Zeit“. Diese Zeit macht etwas mit uns. Wir haben alle Chancen!

Einen schönen Sonntag trotz allem und in allem!

Ulrich Högemann

 

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